Startseite » Kultur » die Reise, die Muse und ein Literaturhotel in Berlin - Christa Moog


Posted on Apr 09, 2012 by webmaster  | Tags: Literaturhotel, Friedenau, Christa, Moog, Berlin

Geboren in Schmalkalden - heute bekannt durch den plötzlich aufgetretenen Krater inmitten des Ortes - aufgewachsen in Eisenach, absolvierte Christa Moog eine Ausbildung als Kellnerin und studierte anschließend Germanistik und Sport an der Universität Halle (Saale). Danach arbeitete sie als Lehrerin für Kinder am Rande der Gesellschaft. 

Schon früh war ihr Freigeist, der sich in Novellen und Essays niederschrieb, ein Dorn im Auge der Staatssicherheit der ehemaligen DDR. Ihre Darstellungen des Elends kleiner Leute, dem Alltag von Serviererinnen, Putzfrauen, Arbeitern, Lastwagenfahrern und amtsenthobenen Pfarrern, ohne die Stasi aussen vor zu lassen, bescherten ihr eine persönliche Bespitzelung. Bald wurde Christa Moog zur „feindlich-negativen“ Schriftstellerin. In Kirchen und Privatwohnungen gab sie mit anderen DDR-Schriftstellern, die mit Veröffentlichungsverbot belegt waren, ihre Lesungen.
1981 stellte Christa Moog ihren Ausreiseantrag und konnte letztendlich 1984 - mit einem Koffer und ohne Kapital - nach West-Berlin ausreisen.
Ihr 1985 veröffentlichtes Buch "Die Fans von Union" durfte in der DDR nicht erscheinen. Im Westen erhielt die Autorin dafür 1986 den Förderpreis des Marburger Literaturpreises.
Ein Arbeitsstipendium des Berliner Literarischen Colloquiums ermöglichte ihr die Reise auf den Spuren der neuseeländischen Schriftstellerin Katherine Mansfield nach Paris, London, Italien und Neuseeland. Es entstand ein Briefroman halbdokumentarischer Art, "Aus tausend grünen Spiegeln" 1988, für den sie den aspekte-Literaturpreis erhielt. Marcel Reich-Ranicki hielt die Laudatio. Es folgten weitere Auszeichnungen.

Ihr Weg führte nach Schweden. Dort sammelte sie durch ihren Mann Henry Erfahrungen im Hotelwesen und widmete sich ganz ihren zwei Kindern.
Ihr Weg führte nach Berlin zurück, wo sie 2003 mit ihrem Mann das früher als Hotel Hospiz bekannte Haus aus dem Jahre 1898 in der Fregestraße pachteten, es aufwändig sanierten und das Hotel Friedenau aufbauten.
Ob unbewusst bewusst oder intuitiv gewusst, landete Christa Moog, mit ihrem Hotel im Herzen der nobelpreisträchtigen Schriftsteller Hochburg von Berlin - in Friedenau. So taufte die Schriftstellerin und Trägerin mehrer Literaturpreise das Hotel Friedenau 2007 in das Literaturhotel Berlin.

Die Wohnungen und Häuser der Persönlichkeiten und Schriftsteller gibt es noch, die in Friedenau arbeiteten und lebten: Christoph Meckel, Günter Grass, Rosa Luxemburg, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Max Hermann Neiße, Kurt Hiller, Rainer Maria Rilke, Hans-Magnus Enzensberger, Nicolas Born, Max Frisch... Im Literaturhotel sind sie anhand von Fotos, Biografien, Handschriften, Grafiken und Büchern dokumentiert.

Mit viel Liebe gestaltete Christa Moog das Haus mit Originalen: Biedermeiermöbel, Kronleuchter, Gemälde, eine Vielzahl von nostalgischen Spiegeln, orientalischen Teppichen und feinem Geschirr aus Omas Zeiten. Jede Ecke hat Geschichte und ist liebevoll bis ins Detail gestaltet. Jedes Zimmer bekam seine individuelle Note und selbstverständlich auch ein Badezimmer. Zahlreiche Bücher schmücken das Literaturhotel und laden zum wohnen und schmökern ein.
Das Herzstück des Hauses ist der Frühstückssalon, benannt nach Uwe Johnson, Schriftsteller und häufiger Gast im Literaturhotel. Der Salon wurde auch ein Ort kultureller Begegnungen und Veranstaltungen. Es finden regelmäßig Lesungen, Literarische Teestunden, Diskussionen und Gespräche, Filmvorführungen und Musikveranstaltungen statt.

Ein Besuch zum Garten-Frühstück oder Kaffee und Kuchen im Uwe Johnson Salon ist für "Einheimische" eine abwechslungsreiche Reise durch die Zeit, Vergangenheit im Gegenwärtigen zu erleben.
In 6 Sprachen - deutsch, englisch, französisch, italienisch, russisch und schwedisch können die Gäste im Literaturhotel empfangen und versorgt werden. Und die Muse.. kann vielleicht gefunden werden.

Artikel © Djorna Biswas - das Malerviertel 2011